Geschichtliches über Möggingen

Fast 5.000 Jahre alte Funde belegen Pfahlbauten in der Jungsteinzeit am Mindelsee. Die frühalemannische Siedlung Möggingen, seit dem 8. Jahrhundert zugehörig zu dem fränkischen Krongut Bodman, wurde 860 mit Eigenleuten, Land, Wiesen, Weiden, Wald und Wasser sowie einem Gut in Güttingen durch König Ludwig dem Deutschen an das Kloster St. Gallen geschenkt. Die aus diesem Anlass erste urkundliche Nennung lautet "villula Mechinga", abgeleitet vom Personennamen Macho oder Mechi. 882 folge der Erwerb weiterer Güter und Zehnten durch das Kloster St.Gallen in Möggingen und anderen Orten. Die Abtei St.Gallen gab später den Klosterbesitz in Möggingen als Lehen an adelige Familien aus. Eine Ministerialenfamilie, die sich "von Möggingen" nannte, ist von 1242 bis 1428 urkundlich nachweisbar. Ende des 13. Jahrhunderts ging das St.Gallische Lehen Möggingen auf die Herren von Bodman über. Abgesehen von zwei kurzen Unterbrechungen blieben Schloss und Herrschaft Möggingen im Besitz derer von Bodman.

 

Entwicklung vom Bauernkrieg bis heute

Im Bauernkrieg (1525) wurden die Dörfer Möggingen und Güttingen von den aufrührerischen Bauern niedergebrannt, während Möggingens Einwohner ihrer Herrschaft bei der Verteidigung des Schlosses halfen. Neue Drangsale für die Bevölkerung der Bodanrückgemeinden brachten die Wirren des Dreißigjährigen Krieges mit sich. 1805 endete die Lehensherrlichkeit des Klosters St. Gallen über Möggingen. Im selben Jahr kam Möggingen unter württembergische Landeshoheit. 1810 fiel es zusammen mit den anderen Orten der ehemals österreichischen Landgrafschaft Nellenburg an das Großherzogtum Baden. Seit 1974 ist Möggingen in der Stadt Radolfzell als Ortsteil eingegliedert.

 

Pfarrkirche St. Gallus

Bei der im Bauernkrieg und im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Pfarrkirche St. Gallus handelt es sich um einen im Kern teils romanischen, teils spätgotischen, 1747 barockisierten, sowie 1879/80 neuromanisch veränderten Bau. An der Südseite des dreiseitig geschlossenen Altarhauses, das sich flutend an das Langhaus anschließt, erhebt sich der quadratische Turm. Sein Unterbau ist der älteste Teil des Bauwerkes. Die Zwiebelhaube von 1747 wurde 1839 durch eine neue ersetzt. Die interessante Ausstattung der Kirche stammt aus der Zeit um 1750. Sie enthält eine Anzahl von Epitaphen verstorbener Mitglieder der Familie von Bodman aus dem 17.-19. Jahrhundert.

 

Herz-Jesu-Kapelle

Westlich der Pfarrkirche steht in einem Garten die Herz-Jesu-Kapelle, das Mausoleum der Freiherren von Bodman. Der neuromanische Zentralbau mit Tambour und Zeltdach wurde 1916 bis 1919 im Auftrag von Graf von Walderdorff nach Plänen von Josef Steiner, Schwyz, erbaut.

 

Naturschutzgebiet Mindelsee

Der 110 ha große Mindelsee ist der Rest eines ehemals doppelt so großen, jetzt teilweise verlandeten Sees. Am Grund des bis zu 15m tiefen Mindelsees leben noch einige riesige Welse mit einer Länge bis zu 3 Metern und einem Gewicht bis zu 2 Zentnern. Die gestaltende Kraft des einstigen Rheingletschers hat den See und die charakteristische Drumlinlandschaft mit den walrückenförmigen Schotter- und Moränenhügeln geschaffen. Eine einmalige Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt zeichnen den Eiszeitsee und seine Umgebung aus. Bereits 1938 wurde das Mindelseegebiet unter Naturschutz gestellt. Eine Erweiterung des Naturschutzgebietes auf 459 ha erfolgte 1984. In der renovierten Mögginger "Alten Mühle" unterhält der Bund für Umwelt und Naturschutz ein Zentrum mit einer ständigen Naturschutzausstellung.

 

Wasserschloss

Ein um 1100 auf einem inselartigen Grundmoränenrest im Verlandungsbereich des Mindelsees errichteter Burgturm bildete die Keimzelle des Wasserschlosses Möggingen.

Die von zwei Wassergräben, Wall- und Ringmauer gesicherte Anlage mit äußerer und innerer Burg trotzte 1525 im Bauernkrieg dem Ansturm. Um 1600 bauten die Herren von Bodmann an der Westseite das Hochschloss mit polygonalem Treppenturm im Osten. Das im Dreißigjährigen Krieg 1632 und 1636 geplünderte und niedergebrannte Schloss wurde 1648 wiederaufgebaut. Seinen heutigen Charakter erhielt es durch den 1834 abgeschlossenen Umbau. Ringmauer und Torturm mit Vorbau, in welchem 1489 eine Kapelle geweiht wurde, blieben noch von der mittelalterlichen Anlage erhalten.

Seit 1946 ist im Wasserschloss Möggingen, das noch heute der Familie Bodman als Wohnsitz dient, die Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Institus für Ornithologie untergebracht.

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