Artenschutz in Radolfzell

Radolfzell ist gleichermaßen Lebensraum für Mensch und Wildtier. Besonders im Frühjahr brauchen unsere wilden Nachbarn Schutz: Schwäne brüten am Ufer, Amphibien wandern zu ihren Gewässern und der Biber gestaltet unsere Gewässerlandschaft. Mit gezielten Maßnahmen sorgt die Stadt Radolfzell für ein sicheres Miteinander. 

Schutz der Schwanennester

Jedes Frühjahr beginnen die Radolfzeller Schwäne mit ihrem Brutgeschäft. In dieser sensiblen Phase legen sie ihre Nester in Uferbereichen des Bodensees an. Einige dieser Standorte sind für Menschen leicht zugänglich.

Ein Schwan sitzt am Ufer im Radolfzeller Hafen hinter einem Zaun mit einem Schild, das auf brütende Wasservögel aufmerksam macht.

Was macht die Stadt Radolfzell?

Um die Schwäne während der Brutzeit zu unterstützen und Störungen zu minimieren, werden in Radolfzell ausgewählte Schwanennester durch temporäre Zäune gesichert. Die Schutzmaßnahmen erfolgen insbesondere an leicht zugänglichen Standorten und in Ufer- oder Wegnähe.

Warum ist der Schutz wichtig?

  • Schwäne sind, wie alle einheimischen Vogelarten, nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und unterliegen zusätzlich dem Schutz der europäischen Vogelschutzrichtlinie. Darunter fallen sowohl die Vögel selbst als auch ihr Nest 
  • Schwäne reagieren während der Brut sehr empfindlich, mitunter auch aggressiv auf Störungen
  • Durch Störungen ausgelöster Stress kann dazu führen, dass Elternvögel das Nest verlassen
  • Eier oder Jungtiere sind in dieser Zeit besonders gefährdet

Die Stadt Radolfzell bittet alle Bürgerinnen und Bürger sowie Besucher um Rücksichtnahme:

  • Bitte halten Sie und ihre Kinder Abstand zu den Schwanennestern
  • Betreten Sie keine abgesperrten Bereiche
  • Halten Sie Hunde an der Leine, besonders in Ufer- und Grünbereichen
  • Verzichten Sie auf Füttern oder Annähern an die Tiere

Amphibienschutz

Viele Amphibienarten sind heute stark gefährdet. Auch in Radolfzell überqueren Frösche, Kröten und Molche jedes Frühjahr Straßen auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. Ohne Schutzmaßnahmen würden dabei jedes Jahr zahlreiche Tiere auf den Straßen ums Leben kommen. 

Der Amphibienschutz ist daher ein wichtiger Bestandteil des Natur- und Artenschutzes in Radolfzell.

Ein grüner Laubfrosch sitzt auf einer Hand vor einem unscharfen Hintergrund aus trockenem Gras.

 Was macht die Stadt Radolfzell?

Die Stadt Radolfzell richtet im Frühjahr an bekannten Wanderstrecken temporäre Amphibienschutzzäune ein. Diese werden gezielt dort aufgestellt, wo Amphibien regelmäßig Straßen queren und ein erhöhtes Unfallrisiko besteht.

 Die Maßnahme erfolgt: 

  • Zeitlich begrenzt während der Wanderperiode
  • In Zusammenarbeit mit engagierten freiwilligen Helfenden
  • Mit täglicher Kontrolle und Betreuung der Zäune 

Da die Tiere den Zaun nicht überwinden können, leitet dieser die Amphibien parallel der Straße zu Fangeimern, die in regelmäßigen Abständen eingegraben sind. Dort fallen sie hinein und werden von Helfenden auf die andere Straßenseite getragen.

Bild: Gernot Segelbacher

Die Stadt Radolfzell bittet während der Amphibienwanderung um Unterstützung und Rücksichtnahme:

  • Zum Schutz der freiwilligen Helfer und der Amphibien bitte maximal 30km/h fahren
  • Insbesondere in den Abend- und Nachtstunden vorsichtig fahren
  • Bitte nicht eigenständig sammeln
  • Wer regelmäßig helfen möchte, kann sich zum Jahresende für das darauffolgende Frühjahr bei der Abteilung Umwelt, Natur und Klima melden

Erfolgreicher Einsatz im Frühjahr 2026

Dank eines fleißigen Bibers, der Schutzmaßnahmen der Stadt Radolfzell und dem ehrenamtlichen Engagement konnten im Frühjahr 2026 mehr als 11.500 Amphibien sicher in ihr Laichgewässer gebracht werden, ein neuer Höchstwert für Radolfzell. 

Der Biber

Die Hauptbedrohung für alle in Deutschland lebenden Amphibienarten ist der Rückgang von Feuchtgebieten, denn diese sind deren natürlicher Lebensraum. 

Der Biber trägt als Schlüsselart auf natürliche Weise dazu bei, diese Lebensräume wieder zu vermehren. Durch das Bauen von Dämmen staut er Wasser an und schafft so neue Teiche, Tümpel und Feuchtgebiete. Außerdem verbessert er die Wasserqualität und trägt zum Hochwasserschutz bei.

Wichtig! Der Biber und seine Bauten sind in Deutschland streng geschützt, sowohl nach Bundesnaturschutzgesetz als auch nach der FFH-Richtlinie der EU. Es ist verboten, die Tiere zu stören, zu fangen oder zu töten.

Der Biber und seine Bauten sind in Deutschland streng geschützt.

Konfliktstellen in Radolfzell

In seltenen Fällen kann es zu Konflikten zwischen Mensch und Biber kommen. 

  • Kontrollen und Management: Mitarbeitende der Stadtverwaltung und der Technischen Betriebe begutachten bekannte Problemstellen regelmäßig und handeln, sofern dies im überwiegenden öffentlichen Interesse erforderlich ist
  • Technische Lösungen: Zum Beispiel regulieren Dammdrainagen (Rohre im Biberdamm) den Wasserstand automatisch auf ein verträgliches Maß, ohne den Biber zu vertreiben
  • Prävention: Wertvolle Bäume im Uferbereich werden durch Drahtgeflechte und Schälschutzpaste vor Verbiss geschützt

Bitte nicht selbstständig Dämme verändern oder entfernen!

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Biber steht das Landratsamt Konstanz als Ansprechpartner zur Verfügung.

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Tiefer eintauchen:

Rauchschwalben im Streuhau

Die Bestände von Rauch- und Mehlschwalben in Deutschland sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Heute gibt es von jeder Art nur noch rund 700.000 Brutpaare, das ist etwa halb so viel wie vor 30 Jahren. Ursachen sind vor allem der Insektenrückgang, als Nahrungsquelle und der Verlust geeigneter Nistmöglichkeiten. Die Stadt Radolfzell setzt sich deshalb für den Schutz der Schwalben ein. Dazu gehören unter anderem Nisthilfen und das Anlegen von Lehmpfützen, die den Vögeln wichtiges Baumaterial für ihre Nester bietet.

Mehrere Rauchschwalben sitzen unter dem Dachvorsprung eines Gebäudes auf einem Seil, während eine andere von ihnen gerade landet.

 Das Projekt im Streuhau

Im Streuhau befindet sich eine große Kolonie von Rauchschwalben. Jeden Frühling bessern die Vögel ihre Nester aus dem Vorjahr aus oder bauen neue Nester. 

Für den Nestbau benötigen Rauchschwalben feuchten Lehm. Da natürliche Lehmstellen heute häufig fehlen, griffen die Schwalben im Streuhau in den letzten Jahren auf die Seekreide vom Bodenseeufer zurück. Dieses Material ist jedoch wenig stabil und eignet sich nur bedingt für den Bau langlebiger Nester.

 Um die Schwalben zu unterstützen, hat die Stadtverwaltung eine Lehmpfütze angelegt. Sie wird regelmäßig feucht gehalten und stellt den Vögeln jederzeit gut formbares und stabiles Baumaterial zur Verfügung. So können die Rauchschwalben ihre Nester sicherer und langlebiger bauen.

Bild: MPI, Christian Ziegler