Radolfzell ist gleichermaßen Lebensraum für Mensch und Wildtier. Besonders im Frühjahr brauchen unsere wilden Nachbarn Schutz: Schwäne brüten am Ufer, Amphibien wandern zu ihren Gewässern und der Biber gestaltet unsere Gewässerlandschaft. Mit gezielten Maßnahmen sorgt die Stadt Radolfzell für ein sicheres Miteinander.
Jedes Frühjahr beginnen die Radolfzeller Schwäne mit ihrem Brutgeschäft. In dieser sensiblen Phase legen sie ihre Nester in Uferbereichen des Bodensees an. Einige dieser Standorte sind für Menschen leicht zugänglich.

Um die Schwäne während der Brutzeit zu unterstützen und Störungen zu minimieren, werden in Radolfzell ausgewählte Schwanennester durch temporäre Zäune gesichert. Die Schutzmaßnahmen erfolgen insbesondere an leicht zugänglichen Standorten und in Ufer- oder Wegnähe.
Warum ist der Schutz wichtig?
Die Stadt Radolfzell bittet alle Bürgerinnen und Bürger sowie Besucher um Rücksichtnahme:
Viele Amphibienarten sind heute stark gefährdet. Auch in Radolfzell überqueren Frösche, Kröten und Molche jedes Frühjahr Straßen auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. Ohne Schutzmaßnahmen würden dabei jedes Jahr zahlreiche Tiere auf den Straßen ums Leben kommen.
Der Amphibienschutz ist daher ein wichtiger Bestandteil des Natur- und Artenschutzes in Radolfzell.

Die Stadt Radolfzell richtet im Frühjahr an bekannten Wanderstrecken temporäre Amphibienschutzzäune ein. Diese werden gezielt dort aufgestellt, wo Amphibien regelmäßig Straßen queren und ein erhöhtes Unfallrisiko besteht.
Die Maßnahme erfolgt:
Da die Tiere den Zaun nicht überwinden können, leitet dieser die Amphibien parallel der Straße zu Fangeimern, die in regelmäßigen Abständen eingegraben sind. Dort fallen sie hinein und werden von Helfenden auf die andere Straßenseite getragen.
Bild: Gernot Segelbacher
Die Stadt Radolfzell bittet während der Amphibienwanderung um Unterstützung und Rücksichtnahme:
Dank eines fleißigen Bibers, der Schutzmaßnahmen der Stadt Radolfzell und dem ehrenamtlichen Engagement konnten im Frühjahr 2026 mehr als 11.500 Amphibien sicher in ihr Laichgewässer gebracht werden, ein neuer Höchstwert für Radolfzell.
Die Hauptbedrohung für alle in Deutschland lebenden Amphibienarten ist der Rückgang von Feuchtgebieten, denn diese sind deren natürlicher Lebensraum.
Der Biber trägt als Schlüsselart auf natürliche Weise dazu bei, diese Lebensräume wieder zu vermehren. Durch das Bauen von Dämmen staut er Wasser an und schafft so neue Teiche, Tümpel und Feuchtgebiete. Außerdem verbessert er die Wasserqualität und trägt zum Hochwasserschutz bei.
Wichtig! Der Biber und seine Bauten sind in Deutschland streng geschützt, sowohl nach Bundesnaturschutzgesetz als auch nach der FFH-Richtlinie der EU. Es ist verboten, die Tiere zu stören, zu fangen oder zu töten.

In seltenen Fällen kann es zu Konflikten zwischen Mensch und Biber kommen.
Bitte nicht selbstständig Dämme verändern oder entfernen!
Bei rechtlichen Fragen zum Thema Biber steht das Landratsamt Konstanz als Ansprechpartner zur Verfügung.
Die Bestände von Rauch- und Mehlschwalben in Deutschland sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Heute gibt es von jeder Art nur noch rund 700.000 Brutpaare, das ist etwa halb so viel wie vor 30 Jahren. Ursachen sind vor allem der Insektenrückgang, als Nahrungsquelle und der Verlust geeigneter Nistmöglichkeiten. Die Stadt Radolfzell setzt sich deshalb für den Schutz der Schwalben ein. Dazu gehören unter anderem Nisthilfen und das Anlegen von Lehmpfützen, die den Vögeln wichtiges Baumaterial für ihre Nester bietet.

Im Streuhau befindet sich eine große Kolonie von Rauchschwalben. Jeden Frühling bessern die Vögel ihre Nester aus dem Vorjahr aus oder bauen neue Nester.
Für den Nestbau benötigen Rauchschwalben feuchten Lehm. Da natürliche Lehmstellen heute häufig fehlen, griffen die Schwalben im Streuhau in den letzten Jahren auf die Seekreide vom Bodenseeufer zurück. Dieses Material ist jedoch wenig stabil und eignet sich nur bedingt für den Bau langlebiger Nester.
Um die Schwalben zu unterstützen, hat die Stadtverwaltung eine Lehmpfütze angelegt. Sie wird regelmäßig feucht gehalten und stellt den Vögeln jederzeit gut formbares und stabiles Baumaterial zur Verfügung. So können die Rauchschwalben ihre Nester sicherer und langlebiger bauen.
Bild: MPI, Christian Ziegler