Die Entfernung der Namen Heinrich Koeppen und Joachim Rumohr 2026

Die Stadt Radolfzell am Bodensee stellt sich ihrer historischen Verantwortung. Mit dem Beschluss des Gemeinderats im Jahr 2026, die Namen der nachweislichen SS-Kriegsverbrecher Heinrich Koeppen und Joachim Rumohr von den Gedenktafeln beim NS-Kriegerdenkmal am Luisenplatz zu entfernen und das Areal durch diese Erklärung neu zu kontextualisieren, setzt die Stadt ein klares Zeichen im Sinne ihres Leitbildes „Erinnerungskultur“. Diese Maßnahme korrigiert eine erinnerungspolitische Fehlentscheidung der Nachkriegszeit, bei der SS-Mitglieder im öffentlichen Raum eine unkritische Ehrung erfuhren.

Das NS-Kriegerdenkmal wurde ursprünglich 1938 zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Im Jahr 1958 erfolgte eine umfassende Neugestaltung der Gedenktafeln auf Vorschlag des damaligen Stadtrats Konrad Dombrowski, eines ehemaligen NSDAP-Mitglieds. Es wurden die Namen von 561 gefallenen und vermissten Angehörigen der Wehrmacht und der Waffen-SS ergänzt. Unter den Genannten befinden sich insgesamt 102 Angehörige der Waffen-SS. Diese pauschale Vermischung von Gefallenen der Wehrmacht und Angehörige der Waffen-SS widerspricht grundlegend dem Geist einer demokratischen Erinnerungskultur sowie dem Urteil des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg vom 1. Oktober 1946, welches die SS gesamthaft als verbrecherische Organisation einstufte.

Der erste der verantwortlichen SS-Repräsentanten Heinrich Koeppen (1890–1939), wurde 1937 zum Kommandeur des in Radolfzell stationierten dritten Bataillons der SS-Verfügungstruppe „Germania“ ernannt. Unter seiner Verantwortung nahm der NS-Terror in der Region Gestalt an: In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 stellte Koeppen Einheiten zur Verfügung, um die Synagoge in Konstanz sowie weitere jüdische Gotteshäuser in der Region zu zerstören. Parallel dazu wurden jüdische Bürger durch Angehörige der Radolfzeller SS schwer misshandelt und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Seine Einheiten nahmen ab September 1939 am Überfall auf Polen teil, bevor Koeppen am 16. September bei Lemberg getötet wurde.

Der zweite Repräsentant, Joachim Rumohr (1910–1945), war als SS-Brigadeführer ein überzeugter Nationalsozialist. Als Führer der 12. Kompanie in Radolfzell stationiert, war er ebenfalls an den regionalen Judenpogromen beteiligte. Im Verlauf des Krieges übernahm er das Kommando über die SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ und trug die direkte Verantwortung für systematische Massenmorde im Osten Europas, bevor er sich im Februar 1945 in Budapest selbst erschoss. Auf den Tafeln wurde Rumohr fälschlicherweise unter dem Namen „Rühmor, Joachim“ geführt.

Die Entfernung dieser Namen ist das Ergebnis einer kritischen Auseinandersetzung der Stadtgesellschaft mit der eigenen Vergangenheit.

Literaturhinweise

  • Hausendorf, Sebastian: Radolfzell im „Dritten Reich“ 1933-1939. In: Stadt Radolfzell am Bodensee, Abteilung Stadtgeschichte (Hrsg.): Radolfzell am Bodensee - Die Chronik, Konstanz 2017, S. 246-267.
  • Hausendorf, Sebastian: »Eine böse Mißwirtschaft«. Radolfzell 1933-1935, Konstanz 2012.
  • Klöckler, Jürgen: SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen. Zur Biographie des ersten Kommandanten der Radolfzeller SS-Kaserne, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 129, Ostfildern 2011, S. 287-290.
  • Wolter, Markus: Die SS-Garnison Radolfzell 1937-1945. In: Stadt Radolfzell am Bodensee, Abteilung Stadtgeschichte (Hrsg.): Radolfzell am Bodensee - Die Chronik, Konstanz 2017, S. 268-303.