Erinnerung an »gefallene Helden« der Stadt Radolfzell

Zu Ehren der seit 1914 im Krieg Gefallenen aus der Stadt Radolfzell beschloss der Gemeinderat Ende August 1917, auf der Halbinsel Mettnau im Gewann St. Wolfgang einen »Heldenhain« zu errichten. Das Projekt für ein würdiges Ehrenmal konnte in den folgenden Jahrzehnten wegen Geldmangel und langen Diskussionen um die Realisierung aber nicht umgesetzt werden. Im Herbst 1933 war im Altbohl-Wald eine Marien- und Kriegergedächtnis-Kapelle als Ort der Erinnerung eingeweiht worden. Im darauf folgenden Frühjahr machte der neue Bürgermeister Eugen Speer einen Vorschlag für ein monumentales Gefallenen-Denkmal auf dem Wasserreservoir am Buchhof. Sein Nachfolger, Bürgermeister Josef Jöhle, brachte dann im Juni 1936 den 
Horst-Wessel-Platz, wie der Luisenplatz damals hieß, als Standort des zu errichtenden »Ehrenmals für die Gefallenen« in die Diskussion. Für ihn war es der geeignete Platz für den Aufmarsch der beteiligten Formationen am »Heldengedenktag«. Alle Entscheidungsträger stimmten ihm zu.

Unter Mitwirkung der Landesberatungsstelle für Denkmalpflege wurde der Karlsruher Bildhauer Wilhelm Kollmar (1872 –1948) mit der Platzgestaltung beauftragt. Als darstellende Skulptur wählte man einen »Fahnenträger mit verbundenem Kopf und einen ihn im Sturm begleitenden Infanteristen«. Wann und warum 
aus dem Verband ein Stahlhelm wurde, ist nicht recherchierbar. Der Radolfzeller Alfred Bosch durfte keinen Entwurf einreichen, da er nicht Mitglied der Reichskammer für bildende Künste war. 
Ursprünglich sollte die Enthüllung des Ehrenmals, das die Stadt Radolfzell »ihren im Weltkrieg 1914/18 gefallenen Helden und den für das Dritte Reich und den Führer gefallenen Kämpfern des Landes Baden« errichtet hatte, noch im Oktober 1937 erfolgen. Wegen der grassierenden Maul- und Klauenseuche 
wurde sie ins nächste Jahr verlegt. Um der Feier einen größeren Rahmen zu geben, war sie mit der gleichzeitigen Abhaltung eines Appells des Kreisverbandes Konstanz des NS-Reichs-Kriegerbundes 
gekoppelt. Am 22. Mai 1938 konnte die Erinnerungsstätte an die Toten des  Ersten 
Weltkriegs hier auf dem nach Großherzogin Luise von Baden (1839 –1923) benannten Platz eingeweiht werden.

Seit 1926 gedachte man am fünften Sonntag vor Ostern im Rahmen eines Volkstrauertages der gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Nach dem Gottesdienst ging man aus der Innenstadt gemeinsam hinaus auf den Stadtfriedhof. 1933 nahmen zum ersten Mal auch SA, SS und Stahlhelm in Uniform teil. Der beauftragte Redner, Fortbildungshauptlehrer Hugo Bansbach, musste von der Teilnahme zurücktreten, 
weil er SPD-Mitglied war. Die Nationalsozialisten veränderten 1934 den Charakter des Volkstrauertages: nicht mehr Totengedenken, sondern Heldenverehrung sollte im Mittelpunkt stehen. Ab 1938 lag die Durchführung der Feierlichkeiten zum Heldengedenktag in Radolfzell in den Händen der hier stationierten SS. Am 12. März 1939 fand die Feier erstmals vor dem Kriegerdenkmal statt. In den Jahren 1944 und 1945 war der eigentliche Festakt in der Kaserne und am Denkmal wurden nur noch Kränze niedergelegt.

Achim Fenner