Zusammenhalt und Mut als Maxime

Gut besucht: Rund tausend Bürgerinnen und Bürger besuchen den Neujahrsempfang der Stadt Radolfzell im Milchwerk. Bildquelle: Stadtverwaltung

 

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen zum Neujahrsempfang 2023 der Stadt Radolfzell ins Milchwerk, um das neue Jahr gemeinsam zu begrüßen und dem Ausblick von Oberbürgermeister Simon Gröger auf das bevorstehende Jahr zu lauschen. Mit dabei waren etliche Ehrengäste – darunter Ehrenbürger Helmut Haselberger und Karl Steidle, Träger der Ehrenmedaille der Stadt Radolfzell, sowie der ehemalige Radolfzeller Oberbürgermeister Jörg Schmidt und der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung. Auf großes Interesse stieß zudem der Vortrag von Professor Dr. Martin Wikelski, der über die weltweite Bewegungsökologie von Wildtieren im Rahmen des internationalen ICARUS-Projektes sprach. Wikelski ist Professor an der Universität Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz und Radolfzell sowie Projektleiter von ICARUS. Unter dem Titel „Das Internet der Tiere“ gab er einen spannenden Einblick in seine Forschungsarbeit, die dazu beiträgt, das Leben auf unserem Planeten zu verstehen und zu schützen sowie möglicherweise Naturkatastrophen vorherzusagen. Musikalisch umrahmt wurde das Programm durch den Musikverein Markelfingen.

 

Rückblick auf 2022 und Ausblick auf das bevorstehende Jahr

In einem kurzen Rückblick ging Oberbürgermeister Simon Gröger auf die Krisen ein, die das vergangene Jahr prägten – vom Angriffskrieg von russischen Truppen auf die Ukraine bis zur damit verbundenen Energiekrise. Nach den Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte, hätten die Radolfzellerinnen und Radolfzeller dabei einmal mehr gezeigt, dass sie zusammenhalten und sich als eine Gemeinschaft begreifen, betonte das Stadtoberhaupt. Sehr beeindruckt zeigte er sich von der enormen Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger für die Menschen, die aus der Ukraine flüchten mussten und in Radolfzell ein neues Zuhause fanden. In diesem Zusammenhang sprach er all jenen, die sich ehrenamtlich engagieren, seinen Dank aus. In die Zukunft blicke er aufgrund dieses starken Zusammenhaltes der Stadtgesellschaft positiv, verdeutlichte Gröger.

 

Krankenhaus und Kinderbetreuung

Dabei sei es wichtig, sich auf bestimmte Ziele zu fokussieren – zum Beispiel die Gesundheitsversorgung in Radolfzell. „Unser Krankenhaus gehört fest zu Radolfzell“, verdeutlichte Gröger und betonte, dass „die angekündigte Schließung uns mitten ins Herz trifft“. Angesichts dieser Hiobsbotschaft sei er stolz darauf, dass „unser Gemeinderat als Einheit mit einer Sprache spricht und sich klar positioniert“, betonte er. Radolfzell liege in der Mitte des Landkreises und habe dem GLKN mit zwei großen Grundstücken, auf denen ein neues Krankenhaus errichtet werden könnte, zwei attraktive Grundstücksoptionen angeboten. „Ich wünsche mir, dass wir es im Landkreis schaffen, aus den Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre im GLKN zu lernen und eine gute und stabile medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten“, hob Gröger hervor. Als weiteres wichtiges Thema für die Zukunft nannte er die Personal- und Betreuungssituation in den Radolfzeller Kindertageseinrichtungen, die ihn inhaltlich und emotional sehr beschäftige. Hier werde der landesweit noch zunehmende Fachkräftemangel auch in Zukunft zu keiner Entspannung der Situation führen, erläuterte er. Dennoch betonte er: „Ein ‚weiter so‘ kann es für mich nicht geben!“ Aus diesem Grund werde die Stadtverwaltung zusammen mit dem Gemeinderat, Mitgliedern der Ortschaftsräte und des Gesamtelternbeirates Kita (GEB Kita), den Teams in den Betreuungseinrichtungen und den Eltern eine Betreuungsstruktur für die Zukunft entwickeln. Wichtig sei es, dass die Fachkräfte gerne und dauerhaft in den Einrichtungen arbeiten. „Bürgermeisterin Monika Laule und ich nehmen unsere Verantwortung wahr, um Lösungsansätze mit dem Gemeinderat, aber auch mit den Kita-Teams und den Eltern sowie mit dem GEB Kita zu erarbeiten“, hielt Simon Gröger fest.

 

Wohnraumpolitik – Dialogforum Wohnen

Ein weiteres wesentliches Handlungsfeld betreffe die Wohnraumpolitik, erklärte der Oberbürgermeister. Da es weiterhin an bezahlbarem Wohnraum in Radolfzell fehle, werde in Kürze ein Dialogforum Wohnen durchgeführt. „Hier werden wir mit allen lokalen Vertretern des Wohnmarktes nicht nur in den Austausch gehen, sondern einen intensiven Dialog führen, wie es gelingen kann, in Radolfzell passenden Wohnraum zu schaffen“, so Gröger. „Am Ende dieses Prozesses sollen dem Gemeinderat neue Leitlinien für unsere zukünftige Wohnraumpolitik zur Entscheidung vorgelegt werden“, gab das Stadtoberhaupt einen Ausblick. Ein Aspekt werde dabei auch die Schaffung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft sein. Auf diese Weise könne die Stadt gezielt Wohnraum schaffen, der langfristig bezahlbar sei. Als Startkapital könne die Stadt eigene Gebäude und Grundstücke einbringen. Darüber hinaus werde die Stadtverwaltung das Dialogforum Wohnen auch dazu nutzen, um Fragen des Flächenverbrauchs sowie nachhaltige Bebauungsformen zu diskutieren, erläuterte Gröger.

 

Der städtische Haushalt

Ein weiteres bedeutendes Thema, das unmittelbar bevorstehe, seien die Haushaltsplanberatungen im Gemeinderat, informierte Gröger. Diese werden nicht einfach werden: „Die Kostenexplosion bei Bauprojekten ist besorgniserregend.“ Der finanzielle Handlungsrahmen der Stadt sei trotz erhöhter Steuereinnahmen eingeschränkt. Dies werde dazu führen, dass sich neue Projekte verzögern oder in Frage gestellt werden. „Unser finanzieller Spielraum kann, nach Prüfung aller Faktoren, nur erhöht werden, wenn wir es schaffen, weitere Unternehmen anzusiedeln beziehungsweise unserem starken Mittelstand in Radolfzell eine adäquate Perspektive als Wirtschaftsstandort bieten zu können“, verdeutlichte er. Und fügte hinzu: „Die städtische Wirtschaftsförderung werde eine dazu passende zukunftsfähige Struktur entwickeln, die auch Auswirkungen auf die Vermarktungskriterien der Gewerbeflächen haben werde.“

 

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Als das fünfte herausragende Thema bezeichnete Simon Gröger den Schutz der Natur und des Klimas. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien müsse mit großem Engagement vorangetrieben werden. Vor Ort sei dies vor allem die Nutzung von Photovoltaik. Darüber hinaus sei „die Nutzung der vielen städtischen Dachflächen für mich Pflicht“, betonte der Oberbürgermeister. Dem Gemeinderat werde in Kürze das neue Klimaschutzkonzept vorgelegt, zudem werde innerhalb der städtischen Stabstelle Umwelt-, Klima- und Naturschutz aktuell eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, die die kommunalen Entscheidungen auf Basis von Nachhaltigkeitsaspekten bewerten und beeinflussen soll. Diese Nachhaltigkeitsstrategie werde im Laufe dieses Jahres mit dem Gemeinderat und der Bürgerschaft diskutiert und dann in den laufenden politischen Entscheidungsprozess integriert werden.

Zum Schluss appellierte Simon Gröger an die Radolfzellerinnen und Radolfzeller, weiterhin Hand in Hand zu agieren: „Ziele müssen gemeinsam besprochen werden.“ Zudem sei es wichtig, „sich in einem vertrauensvollen Dialog auf Augenhöhe zu begegnen – nur das ist reelle Teilhabe und echte Partizipation“, betonte er. Und zu allem sei eines erforderlich: Zuversicht und den Willen, etwas zu schaffen. „Wir brauchen für viele neue Wege Mut“, hob Gröger hervor: „Ich bin bereit und freue mich zugleich, mit Ihnen zusammen Radolfzell mutig voranzubringen!“

 

 

Kontakt

Oberbürgermeister Simon Gröger
Marktplatz 2 | 78315 Radolfzell am Bodensee
 
oberbuergermeister@radolfzell.de  
   
Tel. 0 77 32 / 81-101 + 81-102