Lebensversicherung im Rucksack

01.03.2016 | Absolventen der Hochschule Konstanz entwickeln einen neuartigen Lawinenrucksack, der mehrere Sicherheitssysteme vereint. Das Konzept überzeugt: Um den erfolgreichen Markteintritt vorzubereiten, wird das Gründertrio über das Programm EXIST vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziell gefördert und von der Hochschule fachlich unterstützt.

Sie entwickeln ein einzigartiges Rettungssystem für Wintersportler und erfahren dabei eine Förderung über das Existenzgründerprogramm EXIST (von links): Patrick Zimmermann, Matthias Werz (mit dem Rettungsrucksack) und Thomas Meyer. | Bild: Hochschule Konstanz
Tourengehen ist der am schnellsten wachsende Markt im alpinen Wintersport. Matthias Werz kennt den Reiz der Sportart fern ausgetretener touristischer Wege. Er ist selbst leidenschaftlicher Tourengeher und angehender Skitourenführer. Trotz seines Gespürs für Schnee fährt die Gefahr, in einen Lawinenabgang hineingezogen zu werden, mit. Schon jetzt gibt es Lawinenairbags, ihr Nutzen ist erwiesen. Jedoch: „Bestehende Rettungssysteme decken nur Teilbereiche ab", erläutert Werz, der an der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) BWL studiert hat. Er verfolgt mit seinem System einen neuen Ansatz: Airbag, Ortungsfunktion und Atemversorgung in einem Rucksack. Ein Paket von Systemen einzeln zu aktivieren, sei inmitten der Gefahr schwierig: „Da zählt jede Sekunde. Ein Handgriff muss zur Aktivierung aller Systeme reichen", so der Wunsch. Deshalb hat er daran getüftelt, wie sich die verschiedenen Sicherheitssysteme sinnvoll vereinen lassen.
 
In dem Rucksack soll sich zukünftig ein aufblasbarer Helium-Ballon an einer sieben Meter langen Schnur befinden, der im Falle eines Falles die Ortung des Verschütteten wesentlich erleichtert. Der Ballon bläst sich gleichzeitig mit einem 150 Liter fassenden Airbag auf. Der Airbag soll den Nutzer vor der Verschüttung bewahren, indem er wie ein Rettungsring für Auftrieb sorgt, so dass der Skifahrer in den oberen Schichten der Lawine „schwimmt". Das Kernstück der Neuentwicklung ist der Auslösegriff. Bei der Aktivierung wird er zum Mund geführt. Er ist mit einem speziellen Beatmungssystem verbunden, das gewährleistet, dass der Sportler das ausgeatmete Kohlenstoffdioxid nicht wieder einatmet und sich damit selbst vergiftet. Es ermögliche damit eine Überlebenszeit von bis zu 60 Minuten unter der Lawine. Das Konzept der gleichzeitigen Aktivierung aller Systeme ist inzwischen zum Patent angemeldet. „Da mehrere Rettungsmodule in einem Produkt integriert werden, besteht bei unwahrscheinlichem Ausfall eines Einzelmoduls weiterhin eine hohe Schutzfunktion", betont Thomas Meyer, ehemaliger Kommilitone von Matthias Werz, der mit ihm im Team arbeitet.
 
Das Team besteht neben den beiden BWLern aus einem dritten Mitstreiter, der für das technische Know-how zuständig ist: Patrick Zimmermann studiert im zweiten Master-Semester Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau. Er tüftelt unter anderem im Kunststofflabor der Hochschule an der kniffligen Entwicklung des Auslösegriffs. Da der Verschüttete durch den Griff mit Atemluft versorgt wird, spielt hier beispielsweise der Atemwiderstand eine große Rolle.
 
Die Hochschule bietet dem Trio nicht nur die Möglichkeit, im Kunststofflabor die Infrastruktur zu nutzen. Sie trat als Antragstellerin auf, um eine Existenzgründerförderung über das Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu ermöglichen. „Der Antrag ist recht aufwändig und erforderte eine gründliche Vorbereitung", erinnert sich Matthias Werz. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die angehenden Gründer erhalten für zwölf Monate eine Stipendiatenvergütung, die ihnen den Lebensunterhalt sichert. Dazu kommt ein Budget für Sachausgaben und wertvolle Coachings. Als Mentor begleitet HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz die jungen Männer.
 
„Die HTWG ist als Antragstellerin aufgetreten und nun Projektleiterin", erläutert Ulrich Hutschek, der als Koordinator für Innovationspartnerschaften auch mit der Gründerförderung betraut ist. Das Gründertrio ist für ein Jahr bei der HTWG angestellt, die mit dem Kontakt zum Technologiezentrum Konstanz (TZK) die Einbindung in ein Gründernetzwerk ermöglicht. Neben dem Mentoring der Hochschule wird den Gründern mit Prof. Dr. Guido Baltes ein Coach von „bwcon", einer Wirtschaftsinitiative zur Förderung des Hightech-Standortes Baden-Württemberg, zur Verfügung gestellt. „EXIST ist noch keine Gründerunterstützung, sondern bietet vielmehr die finanzielle Grundlage, um die Gründung vorzubereiten", stellt Hutschek klar.
 
Diese Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: In den nächsten Monaten stehen Abstimmungen mit den Fertigungspartnern auf dem Plan, um die technische Entwicklung bis zur Marktreife voranzutreiben. Mit verschiedenen Instituten und renommierten Forschungseinrichtungen wird die Funktionsweise geprüft. Daneben stehen TÜV-Abnahmen, Zertifizierungen und schließlich die Fertigung, Lieferantenkoordination und Vermarktung an. Ab dem Winter 2016 soll der Rucksack erhältlich sein. Der Produkt Launch für den Fachhandel soll auf der ISPO in München stattfinden, die sich als die Leitmessse des internationalen Sport-Business versteht.

Weitere Informationen zum Lawinenrucksack: www.integrated-avalanche-system.com
 

EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft
EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Ziel ist es, das Gründungsklima an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu verbessern. Darüber hinaus sollen die Anzahl und der Erfolg technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen erhöht werden.
Hierzu unterstützt das BMWi Hochschulabsolventinnen, -absolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende bei der Vorbereitung ihrer technologieorientierten und wissensbasierten Existenzgründungen. Darüber hinaus fördert EXIST eine lebendige und nachhaltige Gründungskultur an öffentlichen und privaten Hochschulen.

EXIST umfasst drei Förderprogrammlinien:
EXIST-Gründungskultur unterstützt Hochschulen dabei, eine ganzheitliche hochschulweite Strategie zu Gründungskultur und Unternehmergeist zu formulieren und nachhaltig und      sichtbar umzusetzen.
EXIST-Gründerstipendium unterstützt die Vorbereitung innovativer technologieorientierter und wissensbasierter Gründungsvorhaben von Studierenden, Absolventinnen und      Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
EXIST-Forschungstransfer fördert sowohl notwendige Entwicklungsarbeiten zum Nachweis der technischen Machbarkeit forschungsbasierter Gründungsideen als auch notwendige      Vorbereitungen für den Unternehmensstart.
Weitere Informationen: www.exist.deHochschule
Hochschule Konstanz, Pressestelle
 
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