Sonderausstellung vom 30. April bis 21. August 2016

Aktion T4 Berlin / Radolfzell

Mord im Namen der Volksgesundheit

 Schloss Grafeneck mit Gelände 1935 | Bildquelle: Gedenkstätte Grafeneck

Schloss Grafeneck mit Gelände 1935 | Bildquelle: Gedenkstätte Grafeneck

Die Ausstellung zeigt einen kleinen Ausschnitt der NS -“Euthanasie“ - dem Massenmord an psychisch erkrankten, geistig und körperlich behinderten sowie „rassisch“ und sozial unerwünschten Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus.

Zwischen 1939 und 1945 fielen ihm etwa 300.000 Kinder, Frauen und Männer zum Opfer. Über 70.000 Menschen wurden 1940/41 allein im Rahmen der geheimen „Aktion T4“ in sechs eigens eingerichteten Gaskammern ermordet.

 

Der Sonderausstellung liegt die Ausstellung „Tiergartenstraße 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes“ aus Berlin zugrunde, die von Stefanie Endlich, Sigrid Falkenstein, Petra Fuchs, Helga Lieser, Alexandra Pohlmeier und Ralf Sroka zusammengestellt wurde. Das Kürzel „T4“ steht für die Adresse der Zentraldienststelle in der Tiergartenstr. 4, in der dieser erste serielle Massenmord im Nationalsozialismus geplant und organisiert wurde. Sie verknüpft die Geschichte der Adresse Tiergartenstraße 4 und die bürokratische Organisation des Krankenmordes in der Villa mit dem Lebensweg von Anna Lehnkering, einem Opfer der „Aktion T4“.

 

Das Stadtarchiv Radolfzell erweitert die Ausstellung mit eigenen Unterlagen, die ein Licht darauf werfen, wie die im fernen Berlin gefassten Beschlüsse hier vor Ort umgesetzt wurden, mit grausamen Konsequenzen für Radolfzeller Einwohner und Einwohnerinnen.

 

Gegen das Vergessen

In der Vergangenheit war die Erinnerungskultur in Radolfzell geprägt von Einzelaktionen. Seit 2015 beschäftigt sich nun die städtische Abteilung „Stadtgeschichte“, unter deren Dach das Stadtarchiv und das Stadtmuseum zusammengefasst sind, intensiv mit diesem Thema. Gemeinsam mit dem „Arbeitskreis Erinnerung“ entwickelte sie ein Leitbild für ein schlüssiges Erinnerungskonzept mit dem Leitsatz „Mit Verantwortung für Gegenwart und Zukunft gegen das Vergessen“.
So begleiten nun viele Aktionen und Veranstaltungen zur Erinnerungskultur den Jahreslauf 2016. Am 27. Februar eröffnete das Stadtmuseum die Sonderausstellung „Denk mal an den Krieg!“ über Gefallenendenkmale in Radolfzell und im Landkreis. Vom 30. April bis zum 21. August 2016 folgt dort die Sonderausstellung „Aktion T4 Berlin / Radolfzell“ über die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten im Namen der „Erbgesundheit“.

Am 2. Juli 2016 wird es zur nächsten und damit dritten Verlegung von Stolpersteinen zum stillen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus kommen.


Zu diesen Themen gibt es ein reiches Begleitprogramm – ganz im Sinn einer lebendigen Erinnerungskultur in Radolfzell. So bietet das Stadtmuseum neben öffentlichen Führungen zu den Sonderausstellungen auch interessante Vorträge an:

Im Rahmen der Sonderausstellung zur „Aktion T4“ wird Thomas Stöckle, Leiter der Gedenkstätte Grafeneck, am 12. Mai zur Vernichtungsstätte Grafeneck und am 16. Juni 2016 zur Erinnerungskultur zu den NS-Euthanasie-Verbrechen referieren. Ein sehr spannendes Thema spricht am 3. Juni 2016 Petra Schweizer-Martinscheck vom Archiv des Bezirksamtes Kaufbeuren mit ihrem Vortrag zur Strafverfolgung dieser Verbrechen in beiden deutschen Staaten nach 1945 an. Ein Highlight wird schließlich die Autorenlesung von Robert Domes am 12. Juli im Stadtmuseum sein. Der Autor und Journalist liest aus seinem preisgekrönten biografischen Roman „Nebel im August“ über den jenischen Jungen Ernst Lossa, der 1944 im Rahmen der NS-„Euthanasie“ getötet wurde.

Kontakt

Stadtmuseum in der alten Stadtapotheke
Fachbereich Kultur
Seetorstraße 3 | 78315 Radolfzell am Bodensee
 
museum@radolfzell.de  
   
Tel. 07732 | 81-530  Di - So | 11.00 - 17.00 Uhr
  an Feiertagen auch am Montag geöffnet