Chronik der Radolfzeller Stadtgeschichte

9. Jahrhundert

Gründung der Cella Ratoldi

 
 Gründung der Cella Ratoldi

"Es war eine überaus schöne Stelle, vom Kloster Reichenau 2 Meilen entfernt, jenseits des Sees gegen Nordwesten, mit Fischerhütten besetzt, sonst aber zu keinem Anbau geeignet. Diesen Platz begann Ratoldus herrichten zu lassen, mit Häusern sowie mit einer Kirche zur Ehre Gottes zu bebauen und diese Zellenanlagen mit seinem Namen zu benennen, wie es bis heute der Fall ist. Nachdem er sie noch mit vielerlei Schmuck geziert und alles nach seinem Herzenswunsch vollbracht hatte, kehrte er wieder an seinen Bischofssitz Verona zurück."

Mit diesen Worten schildert ein unbekannter Reichenauer Chronist die Gründung der "Cella Ratoldi" am Nordwestende des Untersees auf dem Grund und Boden des Klosters Reichenau. Dies geschah um das Jahr 826. Nachdem er, alt geworden im Dienste des Reiches und der Kirche, 840 auf sein Bistum Verona verzichtet hatte, kehrte Radolf endgültig an die gesegnete Gestade des Bodensees zurück, um hier seinen Lebensabend zu verbringen. 7 Jahre danach ist er in der von ihm gegründeten und nach ihm benannten Zelle gestorben.

 

Verehrung der Radolfzeller Hausherren

 
 Verehrung der Radolfzeller Hausherren

Bereits im Jahre 830 hatte Bischof Radolf, zusammen mit den für die Reichenau bestimmten Markusreliquien, Gebeine der kleinasiatischen Blutzeugen Theopontus und Senesius aus Oberitalien an den Bodensee gebracht und in seinem Gotteshaus in Radolfzell bestattet. Später kam dann noch ein Teil des Hauptes eines dritten Heiligen, des Veroneser Bischofs Zeno, in Radolfs Zellengründung an den Bodensee.

 

12. Jahrhundert

 

Markt- und Stadtrechte für Radolfzell

 
 Markt- und Stadtrechte für Radolfzell

Im Jahr 1100 ließ der Reichenauer Abt Ulrich von Dapfen mit Zustimmung Heinrichs IV. neben dem Bauern- und Fischerdorf, dem alten reichenauischen Kelhof und neben der Kirche Radolfs, die in der Obhut einer geistlichen Genossenschaft von Chorherren stand und seit langem Ziel von Wallfahrern zu den Radolfzeller Hausherren war, einen von der Kelhofgemeinde getrennten Handelsplatz mit eigenem Recht anlegen. Die Gründung des Reichenauer Marktes Radolfzell auf einem bisher unbebauten Gelände neben einer zunächst noch selbständig weiterbestehenden Hofgemeinde war der erste in Südwestdeutschland nachweisbare Versuch der Schaffung eines eigenen städtischen Grund- und Bodenrechtes überhaupt, der dann in Freiburg/Breisgau 20 Jahre später weiter ausgebildet wurde.

Das Radolfzeller Marktrecht von 1100 war der erste Anstoß und die Voraussetzung für die Entstehung der Stadt Radolfzell, aber noch nicht die Stadtgründung selbst. Erst die Urkunde des Reichenauer Abtes Albrecht von Ramstein aus dem Jahr 1267 über die Privilegien der Radolfzeller Bürgerschaft bildete den Abschluß des Stadtwerdungsprozesses. Von nun an galten die Rechte und Freiheiten der Bewohner des Marktbezirkes auch für den bisher zum Reichenauer Fronhof gehörenden, inzwischen aber in den befestigten Stadtbereich einbezogenen Teil der Siedlung. Marktbewohner und Angehörige der Reichenauer Hofgemeinde waren nun zu einer Bürgergemeinde verschmolzen. Alles, was Mauer und Graben umschlossen, genoß fortan städtische Freiheiten.

 

An die Spitze der bürgerlichen Verwaltung trat ein aus der Bürgerschaft genommener Stadtammann. Ein Ratsgremium wirkte als satzungsgebende Vertretung der Bürger. Die wesentlichen Merkmale der Stadt, Marktrecht, Befestigung und Selbstverwaltung, waren nun gegeben. Das Marktrecht war Stadtrecht geworden.

 

Die beiden durch die Urkunden von 1100 und von 1267 markierten Ereignisse waren grundlegende Voraussetzungen für die städtische Entwicklung Radolfzells mit einer Langzeitwirkung bis in unsere Tage. Die "Große Kreisstadt Radolfzell" ist nicht denkbar ohne die großzügigen Privilegierungen durch die Reichenauer Äbte und nach 1300 durch die österreichischen Herzöge, die den Reichenauer Klostervorstehern in ihrer Eigenschaft als Radolfzeller Stadtherren nachfolgten. Bald war es der Stadt auch gelungen, ein eigenes Territorium mit mehreren Dörfern und der Burg Hohen-Friedingen zu erwerben.

 

15. Jahrhundert

 

Papst Johannes XXIII. als Gefangener in Radolfzell

 
 Papst Johnnes XXIII. als Gefangener in Radolfzell

Am 2. März 1415 hatte der beim Konstanzer Konzil weilende Papst Johannes XXIII., der erste dieses Namens und dieser Zählung, auf sein Amt verzichtet, danach diesen Verzicht wieder zurückgenommen, war aus Konstanz geflohen, in Freiburg gefaßt und am 17. Mai 1415 nach Radolfzell geführt worden, wo er bis zum 3. Juni 1415 zunächst in einem Wirtshaus, dann in einem festen Turm, vielleicht in der damals noch der Reichenau gehörenden Burg zu Radolfzell, untergebracht war. Hier willigte er in seine am 29. Mai 1415 erfolgte Absetzung als Papst ein.

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