19. Jahrhundert

Landwirtschaft, Handwerk und Handel in Radolfzell

 
 Landwirtschaft, Handwerk und Handel in Radolfzell

Produktion und Vertrieb landwirtschaftlicher Erzeugnisse, insbesondere von Getreide und Wein, bildeten jahrhundertelang die Grundlage der Radolfzeller Wirtschaftskraft. Dabei erwies sich die verkehrsgünstige Lage der Stadt am Bodensee als vorteilhaft. Radolfzeller Kaufleute transportierten Getreide und Wein mit Segelschiffen in die Schweiz und nach Österreich oder mit Fuhrwerken in den Schwarzwald.

 

Die entscheidenden Faktoren für die wirtschaftliche Prosperität der Stadt Radolfzell blieben noch fast während des ganzen 19. Jahrhunderts Landwirtschaft und Rebbau sowie der Handel mit Wein und Getreide und – in zunehmendem Maße – mit Schlacht- und Zuchtvieh.

Der Verfasser der ersten Radolfzeller Stadtgeschichte, Kasimir Walchner, nannte 1826 den Radolfzeller Wein "das vorzüglichste Erzeugnis der Stadt". Im Jahr 1870 wurden auf der Gemarkung Radolfzell noch über 28 Hektar Weinberge festgestellt. Das städtische Rebgut Mettnau war allein mit 7 Morgen Reben bepflanzt. Heute sieht man davon nichts mehr, und auch die ehemals große wirtschaftliche Bedeutung der Märkte ist stark zurückgegangen.

 

Anschluss Radolfzells an das Eisenbahnnetz

 
 Anschluss Radolfzells an das Eisenbahnnetz

Seit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Waldshut, Schaffhausen, Singen, Radolfzell, Konstanz am 13. Juni 1863 bekam die damals erst rund 1500 Einwohner zählende kleine Stadt am Untersee eine schnelle Verkehrsverbindung mit der großen, weiten Welt.

Natürlich nahm an den Feiern zur Bahneinweihung auch Großherzog Friedrich I. von Baden teil. In Radolfzell, wo der Zug am 13. Juni 1863 um 1.49 Uhr nachmittags ankam, machte er 21 Minuten lang Station. Einige Tage später war darüber in der Zeitung folgendes zu lesen: "Mit endlosem Jubel wurde der geliebte Fürst von der harrenden Bürgerschaft begrüßt. Stadtmusik, Feuerwehr, kurz, alles, was Radolfzell bieten konnte, war auf den Beinen, dem geliebten Fürsten die aufrichtigste Huldigung entgegenzubringen. Die Freizüge, die nach der Ankunft Seiner Königlichen Hoheit in Konstanz von da aus nach Singen und zurück stattfanden, waren stark frequentiert".

 

Gewerbe und Industrie in Radolfzell

 
 Gewerbe und Industrie in Radolfzell

In den 5 Jahrzehnten von der Mitte der 1870er Jahre bis zur Mitte der1920er Jahre vollzog sich der Übergang von einem landwirtschaftlich orientierten Marktflecken zu einem durch die Industrie sowie zahlreiche gewerbliche Mittel- und Kleinbetriebe bestimmten Zentralort. Nachdem durch dem Anschluss an das Eisenbahnnetz und durch verbesserte Straßenverhältnisse gute Voraussetzungen geschaffen waren, konnten sich Industriebetriebe in Radolfzell niederlassen und erfolgreich entwickeln.

Nur der Traum, in Radolfzell einen Güterumschlagshafen zu erhalten, wurde nie Wirklichkeit. Schiene und Straße liefen dem einst für den Wassertransport so bedeutsamen Wasserweg den Rang ab.

 

Der Dichter Joseph Viktor von Scheffel in Radolfzell

 
 Der Dichter Joseph Viktor von Scheffel in Radolfzell

Der Bestsellerautor Joseph Viktor von Scheffel, durch seinen "Trompeter von Säckingen", seine "Gaudeamus-Lieder" und den "Ekkehard" berühmt geworden, baute 1872 bis 1874 in Radolfzell die Villa Seehalde, kaufte 1876 das Mettnaugut und ließ einige Jahre danach das Wohnhaus des früheren Rebgutpächters durch einen schönen Eckturm ergänzen. In seiner Dichterklause, bis heute als "Scheffelschlösschen" bezeichnet, hatte der "Meister Josephus vom dürren Ast" wie sich Scheffel in späteren Jahren gelegentlich selbst nannte, "in einen stillen und sicheren Ankergrund für die letzte Phase seines Erdenwallens gefunden".

In seinem Mettnauschlösschen wohnte der Dichter vorwiegend während der Sommermonate, widmete sich dem Rebbau, der Jagd und der Fischerei und verbrachte die Zeit mit Ausflügen und gastfreundlicher Geselligkeit.

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