16. Jahrhundert

Radolfzeller "Halsgerichtsordnung"

 
 Radolfzeller "Halsgerichtsordnung"

Von besonderer Bedeutung für den rechtlichen Status Radolfzells war die der Stadt von König Maximilian I. anno 1506 verliehene eigene "Halsgerichtsordnung".

 

In diesem Radolfzeller Strafgesetzbuch kann man u.a. folgendes lesen: 

 

"Wir, Maximilian von Gottes Gnaden, römischer König, haben die hernachgeschriebenen Ordnungen und Gesetze hierfür zu halten fürgenommen, ordnen und setzen auch dieselben von fürstlicher Macht, wissentlich in kraft dieses Briefes:

Artikel 6: Ein jeder Mörder soll mit dem Rad gerichtet werden. Artikel 7: Ein Verräter soll geschleift und gevierteilt werden. Artikel 8: Ein Räuber soll mit dem Schwert hingerichtet werden. Artikel 9: Kirchenschänder, Brenner, Ketzer und Münzfälscher sollen mit Brand gestraft werden. Artikel 10: Wenn ein Mann zwei Weiber nimmt oder ein Weib zwei Männer, dieselben, Mann oder Frau, soll man ertränken. Artikel 14: Welche Frau ein Kind vertut, die soll lebendig in das Erdreich begraben und ein Pfahl durch sie geschlagen werden. Artikel 15: Welche Person einen falschen Eid schwört, derselben sind die Zunge und die Schwurfinger abzuschneiden. Artikel 16: Wer einen gelobten Frieden bricht ohne merkliche Ursache, denselben soll man mit dem Schwert richten..."

 

Man war also damals in der Auswahl der Strafen nicht gerade zimperlich!

 

Radolfzell im Bauernkrieg

 
 Radolfzell im Bauernkrieg

Im April 1525 vereinigten sich die Hegauer Bauern mit denen aus dem Schwarzwald, aus dem Klettgau und der Baar, besetzten die Städte Engen und Aach und begannen mit der Erschließung Radolfzells. Von April bis Juni 1525 beherrschten die auf rund 10 000 Mann angewachsenen aufständischen Bauern die Szenen, wenn auch die Besatzungen der Städte Stockach und Radolfzell ab und zu ausbrachen und einige Dörfer anzündeten.

Die Belagerung der Stadt Radolfzell durch die Bauern erreichte Ende Mai 1525 ihren Höhepunkt. Der Mut der Verteidiger und die Hilfe der Truppen des Schwäbischen Bundes retteten jedoch die Stadt. In zwei Gefechten bei Steißlingen und bei Hilzingen, wo der Krieg im Hegau 9 Monate zuvor begonnen hatte, wurden die Bauern geschlagen und zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen. Die Gemeinden Böhringen und Überlingen am Ried, die sich den aufrührerischen Bauern angeschlossen und sich an der Belagerung von Radolfzell beteiligt hatten, mußten den Radolfzellern als Entschädigung einige Wälder überlassen.

 

Besuch Kaiser Ferdinands I. in Radolfzell

 
 Besuch Kaiser Ferdinands I. in Radolfzell

 

 

Immer wieder besuchten Herrscher aus dem Hause Habsburg ihre kleine Stadt am Bodensee, so im Jahr 1563 Kaiser Ferdinand I.

"Man mag über die alten Habsburger sagen was man will", schrieb im letzten Jahrhundert der Volksschriftsteller und Pfarrer Heinrich Hansjakob in einer Betrachtung über Radolfzell, "eines ist sicher, dass sie mild, gerecht und freiheitlich regierten. Die kleinen und die großen Städte der österreichischen Vorlande waren unter den Herzögen von Österreich geradezu selbständige Gemeinden. "Noch erinnert in Radolfzell das "Österreichische Schlößchen" an die jahrhundertelange Zugehörigkeit der Stadt zu Österreich und erweist noch heute dem österreichischen Nachbarland seine Reverenz.

 

17. Jahrhundert

 

Radolfzell als Tagungsort und Sitz der Vereinigung des Hegauadels

 
 Radolfzell als Tagungsort und Sitz des Hegauadels

Nicht nur wegen des Besitzes der gesamten Zivil- und Kriminalgerichtsbarkeit nahm Radolfzell eine Sonderstellung gegenüber anderen, weniger privilegierten Landstädten ein; Radolfzell war immer auch ein bevorzugter Tagungsort, gleichviel ob es sich um Gerichtstage anderer Gerichte, um Schiedsverhandlungen wegen Streitigkeiten zwischen Adeligen, Städten, hohen geistlichen Würdenträgern und Klöstern, um wichtige Vertragsabschlüsse oder um militärische Beratungen handelte.

Einige Tage vor Weihnachten 1553 treffen wir den Grafen Froben Christoph von Zimmern auf einen Tag zu Radolfzell, wo es galt, einen Streit zwischen Friedrich von Fürstenberg und den Erben des Hans von Stad zu schlichten. Eine Tagsatzung, die wohl ihresgleichen sucht; denn was man neben den Verhandlungen trieb, war eitel Saufen. Einige der Beteiligten erkrankten hernach an den Folgen schwer, ja auf den Tod.

 

Seit dem 15. Jahrhundert hielten die im Hegau ansässigen Ritter ihre Zusammenkünfte in Radolfzell ab. Im Jahr 1609 schenkte Junker Hans von Schellenberg der Adelsgesellschaft zum St. Jörgenschild sein Haus in Radolfzell "zu bequemer Traktierung ihrer Handlungen". Dieses danach mehrfach umgebaute und erweiterte Ritterschaftsgebäude, das heutige Amtsgericht, diente der Reichsritterschaft im Hegau bis Ende 1805 als Versammlungsort und Verwaltungssitz. Das Wappen dieses Rittervereins mit Falken, Fisch, Schwert und Zepter schmückt noch immer das Portal dieses stattlichen Gebäudes neben dem Rathaus.

 

Kriege, Krankheiten und das Radolfzeller Spital

 
 Kriege, Krankheiten und das Radolfzeller Spital

Leben und Gesundheit der Menschen in unseren Städten waren in frühen Jahrhunderten stärker und häufiger bedroht als heute: durch ungünstige Witterungseinflüsse, die Mißernten, Teuerungen und Hungersnöte zur Folge hatten, durch Kriege mit Plünderungen und Brandschatzungen, durch Pestepidemien und andere unheilbare Krankheiten. 

 

Wie andere Städte wurde auch Radolfzell im Dreißigjährigen Krieg besonders schlimm heimgesucht. Einer durch Truppen eingeschleppten Seuche und der Pest fiel etwa die Hälfte der Radolfzeller Einwohner zum Opfer. Nach dem Krieg lebten nur noch 400 Menschen in der Stadt.

 

Als Einrichtung bürgerschaftlicher Solidarität war in Radolfzell bereits im Jahr 1836 ein Heilig-Geist-Spital gegründet worden, das sich vor allem in Notzeiten als segensreiches Instrument städtischer Wohlfahrtspflege bewähren musste.

Die Spitäler dienten der Armenfürsorge, der Verteilung von Almosen, der Unterbringung und Verköstigung von Wanderern, Reisenden und Pilgern, der medizinischen Betreuung bedürftiger Kranker; sie waren Altersheime, Kranken- und Waisenhäuser und manches andere mehr, unterschieden sich also in ihrer umfassenden Fürsorge erheblich von den modernen Krankenhäusern und Altersheimen.

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