Stadtgespräch 03. Februar 2014

Rund 700 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen am 3. Februar 2014 in den Großen Saal des Milchwerks, um sich umfassend über das Jahrhundertprojekt Seetorquerung zu informieren.

 Interessierte Besucher im Foyer des Milchwerks beim Stadtgespräch am 03. Februar 2014 | Bild: Pressestelle Stadt Radolfzell

Interessierte Besucher im Foyer des Milchwerks beim Stadtgespräch am 03. Februar 2014 | Bild: Pressestelle Stadt Radolfzell

Nach der Einführung von Oberbürgermeister Martin Staab übernahm Knut Maier vom Architekturbüro Baldauf, Stuttgart, die umfassende Präsentation der aktuellen Planungen. Dirk Stellings vom Ingenieurbüro Grassl, München, war für den technischen Part zuständig. Insbesondere seine Ausführungen zum Thema Hochwasser stießen auf großes Interesse.

Im Anschluss bot sich im Foyer reichlich Gelegenheit, mit den Experten ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und an den Pinnwänden eigene Anregungen zu hinterlassen.

 

Erste Rückmeldungen zeigen eine mehrheitlich große Zustimmung zum Projekt Seetorquerung. Doch in den Details sind für viele Bürgerinnen und Bürger noch Fragen offen. So kam in den Gesprächen mit den Fachleuten immer wieder die Wegeführung für Fahrradfahrer und Fußgänger, die Aufzuganlagen und gestalterische Fragen zur Sprache. Großes Thema ist auch das künftige Empfangsgebäude, das im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung geplant werden soll.

 

Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, ihre Gedanken, Anregungen und Fragen auf den bereit gestellten Pinnwänden zu hinterlassen. Nun liegt die Auswertung vor. Rund 280 Kärtchen wurden geschrieben und von der Verwaltung thematisch zusammengefasst.

 

Thema Radfahren

Radolfzell ist Radlerstadt. Die meisten Anregungen zum Thema beschäftigen sich mit der Radwegeführung in und um die geplante Unterführung. Mehrfach wurde der Wunsch nach einer separaten Radspur geäußert. Mit 8,50 Metern Breite bietet die Seetorquerung Platz für alle: Fußgänger, rollende Räder (Kinderwagen, Rollstuhlfahrer, Inlineskater) und Fahrradfahrer haben genügend Raum. Eine separate Führung der Radfahrer ist nicht möglich. Das rücksichtsvolle Miteinander von Fußgängern und Radfahrern funktioniert in der Radolfzeller Fußgängerzone seit vielen Jahren in der Regel vorbildlich. Dies soll in der Seetorquerung seine Fortsetzung finden. Der Wunsch nach genügend überdachten Fahrradabstellplätzen ist in der Planung als Vorgabe fest verankert. Eine ausreichende Anzahl von überdachten Fahrradabstellplätzen ist direkt am stadtseitigen Aufgang fest eingeplant.

 

Thema Gestaltung

Praktisch und funktional, verspielt mit viel Grün und Wasserspielen, eckig oder rund – die mit Abstand meisten Anregungen gingen zum Thema Gestaltung ein. Viele Vorschläge beziehen sich darauf, ob und wie das Mauerwerk durch Elemente wie Geländer, Glas und Bepflanzung „aufgelockert“ werden kann. Auch zur Beleuchtung, der Art und Anzahl der Sitzgelegenheiten und zum Reinigungsaufwand des Bauwerks sind viele gute Ideen eingebracht worden. Alle Vorschläge werden in den kommenden Wochen auf Funktionalität, Machbarkeit und Finanzierung überprüft.

 

Thema Konstruktion

Ist die Unterführung zu niedrig? Diese Frage tauchte immer wieder auf. Durch die Lichtkanäle zwischen den Gleisen wird der helle, offene Gesamteindruck durch die Höhe von „nur“ 2,50 Metern nicht beeinträchtigt. Mehr Raum nach oben oder in die Tiefe erlaubt die Konstruktion allerdings auch nicht. Der Grund hierfür ist die fest stehende Höhe der Gleisoberkante. Ginge man mit der Unterführung weiter in die Tiefe, müssten die Rampen wesentlich steiler oder länger sein. Überhaupt sind die Wegführungen über Zugänge wie Rampen und Treppen ein weiteres vorherrschendes Thema. Hier wurden etliche Alternativen auf Umsetzbarkeit und Funktionalität intensiv abgeprüft.

  

Thema Empfangs-/Bahnhofsgebäude

Hier kam häufig die Frage auf, ob es denn nicht sinnvoller ist, das Bahnhofsgebäude komplett neu zu errichten. Problematisch werden der Zugang zur bestehenden Gastronomie und komfortable Zugänge zu den Serviceeinrichtungen gesehen. Das neue Empfangsgebäude wird im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung überplant. Ziel der Hochbauplanung ist, den Um- und Neubau aus einem Guss erscheinen zu lassen. Die Deutsche Bahn gibt hierbei den Raum- und Nutzungsbedarf vor. Entsprechend der dann vorliegenden Pläne können sich aber durchaus Veränderungen in den äußeren Bemessungen des Gebäudes aber auch in puncto Treppen und Überdachung ergeben. Ein kompletter Neubau würde mit einem siebenstelligen Betrag auf die Gesamtkosten zu Buche schlagen.

 

Thema Finanzierung

Kann Radolfzell sich das Jahrhundertprojekt Seetorquerung leisten? Die größte Sorge bereitet vielen die Frage der Finanzierbarkeit. Die Seetorquerung kostet nach aktuellem Stand rund 17 Millionen Euro. Die Finanzierung ist in der mittelfristigen Finanzplanung fest verankert. Für das Projekt fließen Fördergelder des Landes in Höhe von 5 Millionen Euro, weitere rund 5 Millionen stehen aus einer für diesen Zweck gebildeten Sonderrücklage zur Verfügung. Für die Vorplanung des Gesamtprojekts Stadt-Bahn-See sowie die Planungen Seetorquerung, Gleisumbau, Empfangsgebäude etc. sind bereits 1.500.000,- Euro ausgegeben bzw. beauftragt worden.

Der so verbleibende Restbetrag von ca. 5,5  Millionen Euro verteilt sich auf die nächsten vier Haushaltsjahre – ohne Erhöhung der Grundsteuer und ohne, dass andere Projekte gestrichen werden.

 

Spenden für „unser Projekt“

Die Idee, dass sich die Radolfzeller Bürger und Unternehmen mit Spenden an „ihrem“ Projekt beteiligen könnten, fand sich auf zwei Kärtchen wieder. Nach unten stehendem  einfachen Rechenbeispiel, könnte so die teilweise Finanzierung aussehen:

10.000 spendende Bürger x 100 € = 1.000.000 + Gastronomie, Hotelerie + Wirtschaft 1.500.000 €

 

Thema Aufzüge

Die geplanten Fahrstühle finden nicht durchweg Gefallen. Hier gab es Fragen zu Anzahl, Standort und Ausführung. Um aber alle Gleise barrierefrei erreichen zu können, müssen drei Aufzüge zur Verfügung stehen. Eine Rampenlösung ist nicht möglich, da diese aufgrund der notwendigen Neigungswinkel Längen bis zu 80 Metern erreichen würden. Die Positionierung der Aufzüge wurde unter den Aspekten Erreichbarkeit, Platzbedarf und Harmonie im Gesamtbild festgelegt.

 

Thema Bahnsteigzugang

Trockenen Fußes den Bahnsteig zu erreichen stand im Fokus dieses Themenkomplexes. Eine durchgängige Überdachung steht einem der Hauptaspekte – der freien Sicht auf den See – entgegen. Die Überdachung der Treppen oder der mögliche Einbau integrierter Heizungen wird derzeit noch im Rahmen des Bahnhofmodernisierungsprogrammes geprüft.

 

Thema Vorplatz

Wie sieht die künftige Verkehrsregelung vor dem Bahnhof aus, fallen womöglich Parkplätze weg? Die komfortable An- und Abfahrt am Bahnhof ist ein wichtiges Kriterium, ebenso die Belange der Fußgänger. Die Straßenführung wird an die neue Unterführung angepasst. Das Vorkonzept steht bereits, Parkplätze sind in ausreichender Zahl eingeplant. Der Taxistand verbleibt an Ort und Stelle.  

 

Thema Ufergestaltung/Stadtentwicklung

Die Frage, ob die Seetorquerung mit der Entwicklung der Seepromenade und dem weiteren Umfeld harmoniert, wurde ebenfalls häufig gestellt. Sicher ist, die Aufwertung der Seepromenade geht Schritt für Schritt weiter. Grundlage sind die mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten Ergebnisse aus der Planungswerkstatt. Bleibt noch die Frage nach den Güterhallen. Mögliche Alternativen zur optimalen Andienung der Baustelle, ohne den Zugverkehr nachhaltig zu beeinträchtigen, wurden intensiv geprüft und mussten aus verschiedenen Gründen wieder verworfen werden. Doch im Hinblick auf den Zustand der Hallen wäre ein Erhalt ohnehin nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu bewerkstelligen. Extreme Belastungen mit Schadstoffen wie Asbest, Teer etc. sind hier nur ein Aspekt. Mit Kosten in unabsehbarer Höhe wären eine notwendige Wärmedämmung und der Brandschutz verbunden. Die weiteren Entwicklungen und Überplanungen mit Postpakethalle, Veterinäramt, Mayer-Areal und möglichen weiteren Stegen zum See werden immer im Hinblick auf den Gesamtkontext angegangen, um so dem Leitprojekt treu zu bleiben: Stadt – Bahn – See!

 

 

Kontakt

Uwe Negraßus | Fachbereichsleitung
Fachbereich Tiefbau und Kläranlage
Güttinger Straße 3 | 78315 Radolfzell am Bodensee
 
uwe.negrassus@radolfzell.de
   
Tel. 07732 | 81-330 Mo - Fr |   8.00 - 12.00 Uhr 
Fax 07732 | 81-405  Mo - Do | 14.00 - 16.00 Uhr 
  und nach Terminvereinbarung