Kriege, Krankheiten und das Radolfzeller Spital
Leben und Gesundheit der Menschen in unseren Städten waren in frühen Jahrhunderten stärker und häufiger bedroht als heute: durch ungünstige Witterungseinflüsse, die Mißernten, Teuerungen und Hungersnöte zur Folge hatten, durch Kriege mit Plünderungen und Brandschatzungen, durch Pestepidemien und andere unheilbare Krankheiten.

Wie andere Städte wurde auch Radolfzell im Dreißigjährigen Krieg besonders schlimm heimgesucht. Einer durch Truppen eingeschleppten Seuche und der Pest fiel etwa die Hälfte der Radolfzeller Einwohner zum Opfer. Nach dem Krieg lebten nur noch 400 Menschen in der Stadt.
Als Einrichtung bürgerschaftlicher Solidarität war in Radolfzell bereits im Jahr 1836 ein Heilig-Geist-Spital gegründet worden, das sich vor allem in Notzeiten als segensreiches Instrument städtischer Wohlfahrtspflege bewähren musste.
Die Spitäler dienten der Armenfürsorge, der Verteilung von Almosen, der Unterbringung und Verköstigung von Wanderern, Reisenden und Pilgern, der medizinischen Betreuung bedürftiger Kranker; sie waren Altersheime, Kranken- und Waisenhäuser und manches andere mehr, unterschieden sich also in ihrer umfassenden Fürsorge erheblich von den modernen Krankenhäusern und Altersheimen.