Nicht nur wegen des Besitzes der gesamten Zivil- und Kriminalgerichtsbarkeit nahm Radolfzell eine Sonderstellung gegenüber anderen, weniger privilegierten Landstädten ein; Radolfzell war immer auch ein bevorzugter Tagungsort, gleichviel ob es sich um Gerichtstage anderer Gerichte, um Schiedsverhandlungen wegen Streitigkeiten zwischen Adeligen, Städten, hohen geistlichen Würdenträgern und Klöstern, um wichtige Vertragsabschlüsse oder um militärische Beratungen handelte.
Einige Tage vor Weihnachten 1553 treffen wir den Grafen Froben Christoph von Zimmern auf einen Tag zu Radolfzell, wo es galt, einen Streit zwischen Friedrich von Fürstenberg und den Erben des Hans von Stad zu schlichten. Eine Tagsatzung, die wohl ihresgleichen sucht; denn was man neben den Verhandlungen trieb, war eitel Saufen. Einige der Beteiligten erkrankten hernach an den Folgen schwer, ja auf den Tod.
Seit dem 15. Jahrhundert hielten die im Hegau ansässigen Ritter ihre Zusammenkünfte in Radolfzell ab. Im Jahr 1609 schenkte Junker Hans von Schellenberg der Adelsgesellschaft zum St. Jörgenschild sein Haus in Radolfzell "zu bequemer Traktierung ihrer Handlungen". Dieses danach mehrfach umgebaute und erweiterte Ritterschaftsgebäude, das heutige Amtsgericht, diente der Reichsritterschaft im Hegau bis Ende 1805 als Versammlungsort und Verwaltungssitz. Das Wappen dieses Rittervereins mit Falken, Fisch, Schwert und Zepter schmückt noch immer das Portal dieses stattlichen Gebäudes neben dem Rathaus.